Göttliche Ignoranz

Vermischter Schwachsinn 12 Comments

Morgens und/oder abends Zugfahren, das ist ja grundsätzlich mal besser als jeder Kinofilm der Welt, meine Damen und Herren. Pendler (und ich meine nicht die, die unsere Schultern behandeln, wenn die Schulmedizin nichts mehr bringt) sind ein Volk für sich, sehr vielfältig, grundsätzlich höchstnervig, aber sie lassen einen nie kalt, und wer mit der nötigen Distanz und Ironie gegenüber seinem eigenen Leben und dem sich darauf eingebildeten Wichtigsein morgens in den Zug steigt, nur um dann in einer anderen Stadt einwenig den Businesskasper zu machen, der kann im Pendlerzug mehr Spass haben als Gelsenkirchener Prolls auf Malle. Und bevor Sie Angst haben, dass der Emmster jetzt ebenfalls Pendlergeschichten erzählt, so wie das ca. 25 Blogs der Schweiz machen (also 90% der Blogs überhaupt), lassen Sie sich gesagt sein, dass die Geschichte hier erzählt werden muss.

Ich besteige also heute morgen um 07.05 den Zug im bösen Glauben, es hätte da kaum mehr Platz, denn das Ding musste ja fünf Minuten später den Bahnhof verlassen, und mit den Pendlern ist es wie mit dem FC Liverpool, they never walk alone.  Ich steige also in einen Wagen, der ist aber auffällig einseitig besetzt, zuerst mal voll, aber die untersten zwei Viererabteile bleiben frei, und als ich da vorbeilaufe und dieses eine Touripaar mit zusammen 8 (!) Koffern erblicke bzw. errieche, weiss ich auch warum. An Absitzen ist also nicht zu denken, schnell weiter.

Nächster Waggon, irgendein übergewichtiger Deutscher erklärt quer durch den Zug seinem Kollegen, wie er das mit seiner Homepage und dem ganzen “CSS-Embedding” jetzt schlussendlich hingekriegt hätte. Dazu trägt er ein Headset, ein speckiges T-Shirt und kurze Hosen. Auch hier gilt “Reise nach Jerusalem” in umgekehrter Form: wer sitzt, der hat verloren.

Waggon No. 3, endlich Ruhe, praktisch ausschliesslich ausdruckslose, kaputte, müde Gesichter mit weissen Hemden und Krawatten, die sich auf einen neuen Tag des Wichtig-tun-aber-unwichtiges-tuns vorbereiten – da gehöre ich hin. Schnell hingesetzt, Zeitung hervorgekramt, sich bequemiert, der Tag scheint gut zu starten. Gegenüber ist noch ein einziger Platz frei. Und in dem Moment, in dem alle meinen, der bliebe unbesetzt, weil der Zug inzwischen losrollt, kommt (und das ist jetzt kein Witz) ein offensichtlich äusserst souveräner zirka Zehnjähriger, Cap im Nacken wie Bazooka Joe, kurze Hosen und T-Shirt und ausgerüstet mit einem Etnies-Schuh, um die Ecke gesteuert, fragt, ob der Platz dahinten noch frei sei, setzt sich irgendwo zwischen die Businesssuits, nimmt seinen iPod hervor und

dröhnt in einer den ganzen Wagen unterhaltenden Lautstärke die neue Eminem-Platte.

Die Suits sind irritiert, niemand sagt etwas, und als wäre das Klischee nicht schon schön genug, nimmt das Kid doch tatsächlich ein “Lustiges Taschenbuch” aus seinem Rucksack und vertieft sich da hinein, während ich aus 5 Metern Distanz jedes Wort von Space Bound bis zu mir hören kann. Ein totaler Aufreger. Und das Schöne an der Sache war, dass der Junge das weder extra gemacht noch provokativ gemeint hat, nein, er hat den anderen Fahrgästen einfach ohne zu überlegen seinen (eigenen) Lebensfilm aufgedrückt. Das, meine Damen und Herren, ist dann echter, genuiner Widerstand. Und ja, heute fand ich das auch lustig. Mal gucken, wie es sich morgen anfühlt.

 

Bookmark and Share

Young M – Gueti Musig Feat. Ruck P

Vermischter Schwachsinn 6 Comments

Aight, Ladies und Gentlemen, der Young M aka Rollbrett M (hier links im Bild!)

wollte eigentlich noch seinen Nachfolger zu S Lebe isch z churz um sich schlecht azlegge rausbringen, aber da Junior (no Indiana!) ende Juli mal schnell ins gebogene Kanada abhaut bis Weihnachten und wir also die Restzeit noch für Mer verdiened meh II und andere ähnliche Geschichten einsetzen müssen, wird aus dem Nachfolger zuS Lebe isch…” nichts mehr. Nichtsdestoweniger gibt’s davon aber noch den einen oder anderen Joint (no Cannabis) auf des jungen Ms Festplatte, und die haut er jetzt einfach raus. Also er schickt mir ab und zu einen, und ich lade das Zeug dann jeweils hier hoch. Mehr Promo machen wir nicht, überfüttern soll man die tobende Menge ja dann auch keinesfalls. Ach ja, der Mann Ruck P hat noch ein paar Cuts geliefert.

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Young M – Gueti Musig Feat. Ruck P (Rechtsklick und Ziel speichern unter…)

Bookmark and Share

Entourage – The Movie

Vermischter Schwachsinn 8 Comments

TV Series funktionieren nun mal so: Der Pilot geht raus, wenn da die Quoten nicht erreicht werden, ist es von Anfang an ein Wrap, sonst gibt’s ein paar Seasons, meistens geht den Leuten irgendwann das Erzählmaterial aus, dann gibt es noch einen Film, evtl. einen zweiten, richtig schlechten (what up, Sex and the City?), dann ist der Traum ausgeträumt. Und da Entourage sich anscheinend momentan in der Phase befindet, in der NUR NOCH Ari Golds Sprüche interessant sind, kommt jetzt also das:

http://perezhilton.com/2010-06-08-entourage-the-movie

 

Bookmark and Share

Rick Ross – Teflon Don

Vermischter Schwachsinn 7 Comments

Ja, eben, geleakt ist es, das Album des Jahres, supposedly. Und ich hab’s erst einmal durchgehört und werde der Geschichte wohl noch tausend Chancen geben, denn ich bin offiziell Groupie und Stan und whatnot. Aber so wie es scheint sollte der Rozay mal den Ottmar H. von der Schweizer Nationalmannschaft anrufen und fragen, ob er ihn (also der Ottmar den Rozay) am Flughafen Kloten abholen könne, und ob sie dann zusammen ins Sportzentrum Magglingen fahren wollen – hin zum Nachsitzen, montagabends, und auf dem Stundenplan steht ein Ergänzungskurs zum Thema “never change a winning team”. Der Ottmar bringt nämlich nach einem 1-0 gegen den Weltmeister den Lex Frei (no Luger) zurück aufs Feld, und keiner wusste warum, während der Rozay den Lex Luger (no Frei) zurück an die Regler bringt, obwohl er die aktuellen Götter des Beatmachens wohl auf Shortdial hat. Ich meine, realtalk: Wo ist der altbekannte Rozay-Sound? Wo ist die Majestätik, die Überlegenheit, die lockere Delivery? Wo (ausser auf den 3 Tracks oder so) sind die Beats der J.U.S.T.I.C.E. League? Wo sind – ersatzhalber – die Inkredibles (no Pixar)? Wo die Olympicks? Rozay:

NEVER.CHANGE.A.WINNING.TEAM.

Aston Martin Music, Maybach Music 3, Free Mason, die sind allesamt übertrieben geil, der mit Kanye ist auch ziemlich offiziell, der mit dem Saadiq Räphu ist ebenfalls so wie die Kondome Deiner Mutti, nämlich ok, sonst aber ist das zu bemüht, zu einfallslos, zu dünn, die Delivery als hätte der Ricky die eine oder andere Bypass-OP hinter sich, der Sound klingt nach Dirty South circa ’2003 aka komisch-nervös. Mit Ausnahme der erwähnten Tracks klingt das irgendwie nach Mixtapeshit. Max. Wie gesagt, dies alles nach einem ersten Durchhören. Aber eben. Vielleicht streiche ich hier morgen alles durch und schreibe nur noch Bawse hin.

Bookmark and Share

« Previous Entries Next Entries »