ES MUSSTE EINFACH MAL WIEDER SEIN!!!!
March 5, 2010 Vermischter Schwachsinn 1 CommentWWTAP XI, Bitches! Hallo Soundcheck!

WWTAP XI, Bitches! Hallo Soundcheck!

Meine Damen und Herren, das soll keine geschmacklose Metapher auf Erdbebengebiete werden, sondern was viel schöneres: Kann es sein, dass wir hier in den letzten drei oder vier Tagen gerade zum Epizentrum der musikalischen Diskussion in der Schweiz geworden sind? Anlässlich der vielen Leser (ich habe mehr Statistiken als schlechte Politiker in der Arena) und der vielen Comments könnte man es zumindest meinen. Dafür geht nicht zuletzt ein Kompliment raus an Sie, liebe Leserinnen und Leser, immerhin sind Sie das Salz in der Suppe. Für niemanden bloggen und also quasi schriftlich an die Wand pissen könnte ich natürlich auch, aber es macht mehr Spass so, LOL!
Jedenfalls: Es ist lustig, dass ich immer wieder merke, wieviele Leute “da draussen” Musik, insbesondere Schweizer Urbanmusik, aus Spass an der Freude betreiben und aus ebensoviel Liebe zur selben Sache auch kaufen und hypen. Das finde ich nicht nur ehrenhaft, sondern im Gegenteil positivermassen rührend (n/h). Was ich jedoch seit Tagen zu sagen versuche (und mit meiner Message immer irgendwo steckenzubleiben scheine), und was mich extremst aufregt an der ganzen Sache, ist die Tatsache, dass wir als Movement (no Griot) irgendwo zwischen Crew-Gehabe und -gehate steckenbleiben. Ich mache hier definitiv nicht den KRS, das können andere machen, aber: Wir wären die stärksten überhaupt, aber wir sind de facto sehr, sehr schwach, weil ein Teil der Hörer z.B. den Rapper a nicht mag, weil er aus x kommt oder weil er nicht über y rappt oder aber nur über z. Funny enough: ich selber höre mir ja selber längst nicht mehr jedes Album an, weil ich auch nicht in alles Vertrauen habe und längst nicht alles fühle. Die Überflutung des Marktes mit schlechten Sachen trägt dann noch das ihrige zur Gesamtsituation bei, so dass man am Schluss relativ verdrossen konstatieren muss, dass Schweizer Urbanmusik im Moment zwar relativ vielfältig und quantitativ überladen, aber gleichzeitig äusserst konzept- und richtungslos (und, man muss es sagen, häufig schmerzhaft wie Splitterbomben) daherkommt. Genau dort aber (und wir sind wieder beim Thema) hätten junge und talentierte Rapper mehr “Führung” (no Adolf) verdient – Nilly wird von Greis einwenig geführt, die Leute um ihn herum haben alle noch keine Soloalben, und anscheinend (no dissrespect) reicht das nicht, sonst wäre the most talked-about MC der letzten zwei Jahre wohl steiler gegangen. In Züri sehe ich niemanden, der sich um die jüngeren, wirklich talentierten MCs auch wirklich kümmert. In Luzern müssen das Leute machen, die selber auch noch nichts gerissen haben, z.B. ich. In Basel (was geht, Heimat Nr. 2?) weiss ich nicht wie’s ist, aber ich nehme nicht an, dass es dort gross anders wäre (immerhin: Triple Nine zeigen so etwas wie Crewverhalten über versch. Jahrgänge hinweg, und Brandhärd als “Kopf” der Sache haben früher schon mal was gerissen). Das Fazit ist trotzdem böse: Im Schweizer Rap gibt es keinen Plan, keine Anleitung, keine Korrekturschmiede, keine Hilfe. Genau darum zerbröselt alles wie gemahlenes Brot, jeder geht in eine andere Richtung, und ein 16-jähriges Kiddie hat keinen Plan, ob es nun “erlaubt” ist, dem Emmster seinen Discoshit (no cocaina!) UND Semantiks Strassenkampf UND Nillys eher südliche Sachen zu fühlen. Dazu kommt (was ich inhaltlich zwar nicht so schade finde, aber für die Szene ist es halt eben doch zentral): es gibt keine gemeinsamen Hangouts mehr, keine Freestylecyphers (dass ich dieses Wort mal benutzen würde, kommt unglaublich unerwartet), keine gemeinsame Bewegung (und nein, ich meine nicht Unity; Unity ist für Hippies (no Gimma)), nicht einmal mehr Pflichtanlässe – und die, die es gibt, enden wie letzten Samstag. Das Ganze geht überallhin, nur nicht geschlossen in eine Richtung. Nicht mal auf Aight tummeln sich noch so viele Leute wie früher, und schon damals waren die vor allem da, weil sie tagsüber nichts besseres zu tun hatten.
Die Frage ist, was wir (als Movement natürlich) tun können. Und ich glaube, es gibt nur eine Variante: Wir brauchen wieder ein Bewegungsepizentrum, und ich meine nicht renne.ch, auch wenn ich zu weiteren Lesern niemals Nein sagen würde. Jeder von Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, muss dafür sorgen, dass das nächste Schweizer Rap-Album, das Sie fühlen, von min. zehn Nichtrapfans gekauft wird. Von mir aus sorgen Sie auch dafür, dass zehn Ihrer Freunde diesen Blog kennenlernen, dann werden in Zukunft die Sachen, die hier promotet werden, wenigstens ein bisschen Respekt kriegen. Nur indem wir selber (wir! kein Label, keine Zeitung, kein gar nichts, sondern wir selber!) den Hype um uns selber zusammen vergrössen kommen wir auf die Landkarte, und so wird unser Ding dann auch entsprechend unverfälscht wahrgenommen werden können, ohne dass wir Hits nach Formel schreiben und die Sängerinnen die ganzen Hooks übernehmen lassen müssen. Dass das nicht für Platin reicht, liegt auf der Hand. Aber eben: die anderen Kompromisse zu machen, dazu sind eben nicht alle bereit.
Für andere Lösungsvorschläge wartet wie immer die Commentbox… Der Schreiber dankt.
Meine Damen und Herren, da sie gerade so gut im Kommentierfluss drinstecken, schreibe ich sehr reduziert und warte auf Sie:
Swiss Music Awards. Stress. Mal wieder. Das zeigt nicht nur sein Talent (das zweifelsfrei vorhanden ist), sondern auch einen Mangel an (vielen) Alternativen. Immerhin hat Big Zis für den Underground (und sämtliche Kleintheater der Welt) noch den Jury-Award gewonnen. LOL.
Ihre Gedanken?
Meine Damen und Herren, Sie kennen hoffentlich noch den Tiger aka Stinkefinger aka RedichmitDir? aka Stefan Effenberg. Der Mann war auf dem Fussballplatz für drei Sachen bekannt: Ehrgeiz, Arschlochtendenzen und unbändigen Siegeswillen. Der konnte eine ganze Mannschaft mitreissen. Nun, einen solchen suchen wir gerade dringend, denn anlässlich der diskutierten Situations-Tragikomik in den V.I.P.-Gefilden des X-tra letzten Samstag bin ich immer noch enwenig deprimiert und merke, dass diese Lyrics vom Mann Freeway hervorragend zu unser aller Situation passen, nur verkennen sie unseren noch viel schlimmeren Ernst der Lage:
This how it start’, the beginning, it was me alone,
it’s 09 I look around, it’s me alone,
no Love Jones, no Nia Long,
and my kids still asking: “Are we there yet?,
did we make it to the top, Dad?” – “My bad,
we just made it to the middle, gettin’ paid a little!”,
So you know what that means, y’all can play a little,
but I still gotta work a lot, close the locks!”
Das Traurige ist: die meisten von uns haben’s nicht mal bis zur Mitte geschafft!:-/ Man kann nun lange überlegen und lamentieren, warum das so ist, und nebst all den Rapfehlleitungen (zuerst wurde der Hype zu gross, also haben’s dann zu viele nicht so gute Exponenten der Musikzeitgeschichte auch versucht und Bullshit gemacht und dann kam noch mp3 und der Sowieso-Überdruss und inzwischen ist nichts mehr Rap und alles nur noch Uptempo) muss man aus meiner Sicht auch der “älteren Generation” im Rapding einen ganz kleinen Vorwurf machen: Einwenig hat uns die Erziehung, das Upbringing schon gefehlt, der Support, auch in struktureller Hinsicht, Studio, Features, vernünftige Beats, lobbyieren bei Labels, nicht nur das hey-wir-fühlen-Euch, sondern dieses wir-nehmen-die-jungen-Kiddies-tatsächlich-mit-Ding, auf die Platten und an die Jams, das z.B. bei Rokator und Samurai mit dem Mob noch ganz ordentlich funktioniert hat. Heute sehe ich von alldem irgendwie nichts mehr: die Resultate des wenngleich sehr schmalen Pushings blieben bei uns, d.h. der Nachfolgegeneration, komplett aus, (was heisst hier Resultate? Ich sehe nicht mal die Nachfolgegeneration selber!), es gibt keine Thronfolger. Sehe ich das falsch? Wo sind die Kiddies der Crews? Die Rookies (no Rokator)? Wer ist der legitime Gleis-2-Nachfolger? Wo sind die neuen Dynamic Duo, der neue Wrecked Mob, die neuen Tafs, wo ist Sektion Kuchikäschtli reloaded? Ganz biblisch darf ich aber eigentlich gar keinen Stein werfen, die heutige Generation, also “wir” (Sidenote: Stimmt das? Wer sind wir überhaupt?) macht ja auch zu wenig für die Jungtiere der Mikrokunst. Nur: wir erreichen ja für uns selber schon gar nichts und werden auch kaum mehr was reissen, denn ganz im Ernst - wer von uns soll denn die Fackel tragen?!? Ich mach’s gerne, aber 90% der Rapszene lassen mich ja nicht, und auch bei den arrivierteren sehe ich niemanden, der das mit nur zwei Schultern könnte. Da hatten’s die oben aufgezählten besser: die hatten wenigstens in gewissen Jugendtreffs noch Fame. Und hey, mag sein, dass das lächerlich klingt, nur - heute ist nicht mal mehr das der Fall. Stefan, wo bist Du?