Facebook-Like-Button ./. Buchausschnitt
January 18, 2011 Vermischter Schwachsinn 6 CommentsMeine Damen und Herren, es brauchte 15 Programmierer aus Ostindien und den Spezialeinsatz eines vietnamesischen Wunderkindes, aber jetzt funktioniert dieser elende Like-Button. Und da wir das Ding jetzt mal im grossen Stile ausprobieren wollen, machen wir folgendes: Favor for a favor, ich präsentiere mal wieder einen (eher unwichtigen) Abschnitt aus dem Büchlein, ist nur so eine Zwischenepisode, nichts grossartiges, aber grossartig genug, und Sie, falls Sie diesen Post mögen, drücken mal hübsch unten den Like-Button und spreaden das Ding zurück ins Sozinetzwerk. Deal? Wunderbar.
Es gibt ja zwei Arten Spiessbürger auf dieser Welt. Die einen sind einfach spiessig. Sie leben ihr Spiesserleben und gucken dabei, dass sie inkl. ihrer Frau oder ihrem Mann, den oder die sie an einem internationalen Spiessertreffen kennengelernt haben, an einer Klassenfahrt für Ausgestossene mit Achselschweiss, oder im Ausverkauf beim Aussuchen von Button Down Hemden oder wo auch immer, niemandem auf die Füsse treten. Mit 27 zieht man aus der Stadt (die mochte man eh nie), bisschen raus, weißt Du, kann man auch besser mit dem Hund und so weiter. Diese Spiessbürger sind zwar Spiessbürger, aber grundsätzlich lassen sie die Welt in Ruhe und wollen selber auch in Ruhe gelassen werden. Denen reicht es total, wenn sie irgendwo in einem Ort mit komischer Postleitzahl ein oder zwei Mal pro Monat den Versuch starten, ihre Partnerin oder ihren Partner davon zu überzeugen, dass es jetzt an der Zeit wäre, mal wieder das Kindermachen zu üben, und sonst buchhalten sie ein bisschen oder tun sonst was für ein gutes, vernünftiges Brillengestell. Autos schön funktional, nicht übertreiben das Ganze, keine Protzereien, fahren muss es, das ist das Wichtigste, der ganze realistische und darum paradoxerweise so lebensferne Schwachsinn halt. .
Daneben gibt es aber den Spiesser, der die Spiessereien nach aussen trägt. Das ist dann der Spiesser, der meint, er habe die Welt doch ganz schön durchschaut, der sein Spiessertum auf ganz hirnamputierte Weise für Cleverness und für Durchblick hält, und der sein Spiessertum deshalb nicht nur rational aufrollt, sondern seine gesamte Umwelt völlig ungefragt an seinem röntgenstrahligen Durchblick teilhaben lässt. An Winetastings probiert er nur, redet zwar gross mit über das blumige Bouquet und den feurigen Abgang, kaufen tut er jedoch nichts, er kennt da was preiswerteres. Das wirklich mühsame an dieser Art Mensch ist, dass das, was er macht, seiner Ansicht nach nicht spiessig, sondern, viel schlimmer, RICHTIG ist! Und aus der missionarischen Überzeugungsarbeit, die der sogenannte extrovertierte Spiesser bei fremden Menschen verrichten möchte, schöpft er täglich neue Kraft. Er trägt körperliche Erregung davon, wenn er fragen darf: „Warum soll ich mir teure Schuhe kaufen, wenn die billigen auch warm geben?“ Oder auch: „Fussball ist heute ein Geschäft geworden, was hat das noch mit Sport zu tun?“ Das findet der extrovertierte Spiesser dann richtig geil, weil das alles ja auch in seinem Verstand so viel Sinn macht, dass er sich kaum mehr einkriegt. Begleitet werden seine Ergüsse dann von einem breiten, süffisanten Grinsen, das anzeigen soll, dass der extrovertierte Spiesser seiner Umwelt schon recht überlegen ist und man sich geehrt fühlen darf, wenn er einen an seinem Durchblick so richtig teilhaben lässt. Beim extrovertierten Spiesser ist alles immer zu teuer und zu aufregend und macht viel zu viel Freude, aber da der extrovertierte Spiesser sich nicht einfach damit abfinden kann, dass er wenig Freuden hat und andere viele Freuden, sondern weil er auch anderen die Freude am Leben nehmen muss, analysiert er ungefragt auch die Taten seiner Umgebung auf ihren rationalen Sinngehalt. Grosses Thema auch für den Spiesser: Reisen. Ist ja alles viel zu teuer und zu weit und zu dekadent und sowieso, und wenn ansonsten dann gar nichts mehr hilft, kommen noch die politischen Argumente hinzu: „Ich unterstütze kein Land, das einen Bush zum Präsidenten hat.“ „China unterdrückt die Menschenrechte.“ “Bei Berlusconi bin ich nicht Gast.” Dass trotz Berlusconi eine Pizza in Italien einfach zehnmal besser schmeckt spielt für ihn keine Rolle. Erinnert man ihn aber dann ans Schweizer Judengold, dann kommen lapidare Ausreden, von wegen nur ein kleines Eiland inmitten von Nazis, man hätte ja gar nicht anders gekonnt, die Situation wäre heikel gewesen etc. Da wird es dem Spiesser dann unangenehm, denn in seinem rational so artig durchleuchteten Tempel darf es keine Flecken an der Wand geben.
Ein solcher Typ arbeitet also mit mir. Das ganze Programm hat er mir schon gegeben, ist alles falsch, die teuren (d.h. einfach nicht von H&M) Krawatten sind falsch, das Mittagessen (nicht aus der Migros) ist falsch, der Sportfanatismus (so unreflektiert, das alles!) ist falsch, das Ausgehen am Wochenende in teure Clubs ist komplett falsch (man könnte doch auch zu Hause und so), allgemein mal erwachsen und bescheiden werden wäre die Devise, die er zwar nicht ausspricht, die er aber unter- und oberhalb seines Grinsens schon relativ offiziell vermittelt. Typ kommt also rein, es ist morgens, ich suhle mich im Arbeitsgram, und weil ich mir natürlich mal wieder gar nichts überlege erzähle ich ihm, dass ich nächste Woche für vier Tage nach Shanghai fliege. VIER TAGE! NACH SHANGHAI! WAS DAS KOSTET! Der Spiesser bekreuzigt sich also rituell und beginnt dann sein sorgfältig aufgebautes Argumentarium:
- Für vier Tage? Wie lange fliegt man da?
- Ja, vier Tage. Kommt drauf an ob man direkt fliegt oder mit Zwischenlandung. Ich brauche pro Weg 15 Stunden.
Jetzt denkt der Spiesser, er habe einen Geniestreich in den Hinterhand:
- Aber dann bist Du ja von den vier Tagen schon mal mehr als einen im Flugzeug?“
- Ich fliege über Nacht.
Solche Pattsituationen nerven den Spiesser, er möchte mit seinem Verstand die Diskussion gewinnen, darum sucht er jetzt eine neue Angriffsfläche:
- Wie viel kostet der Flug denn?
- 1100!
- Ist ein bisschen viel, nicht?
Und jetzt recht’s mir, und ich antworte:
- Ja, da hast Du Recht. Das wären ja umgerechnet zirka 80 Fielmann-Brillen! Nur habe ich im Gegensatz zu Dir keine Sehschwäche.
Wir arbeiten jetzt nicht mehr am selben Ort. Er war auch Vegetarier und so.


