Cee-Lo Green – F*ck You
August 22, 2010 Vermischter Schwachsinn 3 CommentsGeradewegs geklaut von den Herren von nahright.com. Define freshness.
Geradewegs geklaut von den Herren von nahright.com. Define freshness.
Okay, meine Damen und Herren, 15 Minuten Texting müssen zu diesem Thema stattfinden:
Wie gestern in unser aller liebstem Pendlermagazin zu lesen war, hört Basler Raplegende Griot per sofort mit dem Rappen auf. Nach dem Majorrelease “Strossegold”, das irgendwie 2005 auf den Markt kam, dem nachfolgenden Mixtape “Strosseparade” und dem im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichten “miCH”, auf welchem Griot bereits androhte, zurückzutreten, wenn das Album seine Erwartungen nicht erfülle, zog der Rapper jetzt die Konsequenzen und verabschiedet sich offiziell vom Schweizer Rapzirkus. Im Artikel von 20minuten beklagt Griot mangelnden Respekt als Künstler und sagt, der “Kantönligeist” zerfresse alles, weil Leute in Zürich und Bern keinen Basler feiern könnten und umgekehrt. Darüber hinaus werde er musikalisch regelmässig in die “Gangsterrapschublade” gesteckt. Dazu folgende Gedanken:
Ich habe Griot als einen Rapper miterlebt, der erhobenen Hauptes und gegen egal welche (szeneninternen) Widerstände seinen Weg geht. Griot war immer der schlimme Finger dieses Spiels – der rappte schon problemlos und ohne Gesichtserrötung über Bitches, als wir zu Hause noch Kopfhörer aufsetzten, damit Mami die englischen Fluchwörter nicht hört. Über all die Jahre hinweg hat Griot immer bewiesen, dass er straight ist und kein Problem damit hat, seine Meinung zu sagen – es gibt genug andere Rapper, die davon wissen und Griots lyrische Wut zu spüren bekommen haben.
Mit dem Signing beim Major Label Universal aber änderte sich in meinen Ohren auch Griots Rap. Er war nachher zwar nicht weniger hart oder weniger direkt, aber sein Rapstyle wurde weniger roh, so als wäre er weniger hungrig. Man kann dem entgegnen, dass sich jeder Künstler weiterentwickelt, aber ich glaube nicht, dass dies eine “innere”, vom Künstler so unbedingt gewollte Entwicklung war. Mir drängen sich Vergleiche mit Styles P auf: Früher war Griot geraderaus, straight, er war “all talent no education“, und wenn sich mal eine Zeile nicht reimte, dann fuck it, Delivery war immer da. Aber als es dann darum ging, den grossen Hit zu landen und Leute in speckigen A&R-Hemden die “Verkaufstauglichkeit” von Griots Sachen beurteilen mussten, verlor die Sache irgendwie die notwendige Unbekümmertheit. Da waren plötzlich Flows und Schemata, die man schon anderswo gehört hatte, die man kannte und die so irgendwie nicht auf und zu Griot passten. Vergeicht mal “Real” mit “Movement”, dann wisst Ihr, was ich meine. Die Majorsituation bedingte also einen Wandel der eigenen Musik, hin zum schwierigen Spagat, mit dem Streetding kommerziell Welle zu schieben. Soweit ich weiss, hat das in der CH bisher noch niemand geschafft, und das wird wohl auch nie jemand schaffen. In diesem Sinne scheint sein neues Album “miCH” nur eine Fortsetzung einer viel früher getroffenen Entscheidung, nämlich dem Versuch, mit (urbaner) Musik in der Schweiz Geld zu verdienen, nur diesmal noch kommerzieller als vorher. Gleichzeitig aber ist es ein weiterer Schritt Griots weg von seinen musikalischen Wurzeln. Wurzeln, die der Hörer, wenn er sich denn für einen Künstler interessiert, eben immer im Hinterkopf hat.
Gleiches gilt für das Strassenrap-Argument: Griot und sein Partner in Crime Lukee haben zu “Strossegold”-Zeiten wohl eine der wohl aggressivsten Promowellen der CH-Rap-Geschichte geschoben. Sie selber haben Griot als harten Strassenrap (was er auch war) vermarktet, haben ihn in diese Ecke gestellt und versucht, damit einen Gegenpol zum damals bekannten, elterntauglichen Schweizer Rap zu bilden. In diesem Sinne verwundert es nicht, dass Griot heute in die Gangsterrapecke geschoben wird: man hat ihn auch zu einem Vertreter desselben hochstilisiert. Und das Präsentieren halbnackter Oberarme, bei denen Roberto Carlos froh wäre, es wären seine Oberschenkel, lassen einen dann halt auch nicht unbedingt als neuen Mahatma Gandhi rüberkommen und machten die Aufgabe, “miCH” zu promoten, wohl äusserst schwierig, egal wie berechtigt dieser neugefundene Anspruch, ein “reifer Künstler” zu sein, auch sein mag. Die Schweiz trägt das ihrige dazu bei: sie ist langsam in der Rezeption von Marketing, und wenn man dann mal sein Image weg hat, dann ändert sich das auch nicht mehr, Gruss an Francine Jordi.
Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack: (Wieder) ein hochtalentierter Rapper, der trotz besten Voraussetzungen die Kommerzkurve nicht so richtig gekriegt hat. Der seit Vorhandensein dieser Voraussetzungen evtl. aber auch zu intensiv (und zu hörbar) nach dieser Kurve gesucht hat. Und, ja, zugegeben: ein weiteres Opfer des behinderten Lokalpatriotismus, der hier alles verhindert. Irgendwie hat man das kommen sehen. Trotzdem ist es schade.
Meine Damen und Herren, hier keine Abrisse über mein Wochenende, mein legendäres Leben oder meinen legendären Bundesliga-Fantasy-Football-Draft, der u.a. die Wenigkeiten von Ribéry und Müller in mein Team brachte. Nein, es geht um Mucke. Hands Solos “LUX II”, Grund genug für DJs, ihre Karriere von der imaginären Brücke zu stürzen, ist hier:

Tracklist und gefühlte siebenhundert Varianten, das Ding a) downzuloaden und b) zu stream (z.B. von Old Kasko in seinem Büro) gibt’s hier:
http://dacockpit.blogspot.com/2010/08/lux-vol-2.html
Und jetzt tun Sie, was Sie tun müssen: Downloaden, geniessen, weiterverteilen. Evtl. Danke sagen. Oder Props geben. Adieu.