Wenn der Teufel los ist
February 11, 2010 1:12 pm Vermischter SchwachsinnSo, meine Damen und Herren, der alljährliche Schwachsinn hat uns wieder, die Leute sind rüüdig, die Buchhalter betrinken sich jetzt auch mal, und alle sind enorm aufgesetzt gutgelaunt, weil: es sind aus Sicht der Grenzdebilen die 3 schönsten Tage im Jahr angebrochen. Das ist ein totaler Witz, denn eigentlich liegen dazwischen Freitag, Samstag und Sonntag, erst am Montag geht’s weiter, aber zu der Zeit des Jahres können sich (zumindest rüüüdige) Luzerner ja kaum mehr einkriegen vor lauter Konsens darüber, wie geil dieses Festchen wieder ist (Touristeninformation für alle Nichtluzerner: Luzern ist eine Stadt. Aber ziemlich rural). Jedenfalls: Ich wohne nach wie vor mitten in der Altstadt. Das ist dort, wo der Dreck sein Epizentrum hat. Mit anderen Worten: ich habe keine Möglichkeit, dem ganzen Trubel neutral gegenüberzustehen, weil er mich ganz einfach nicht kalt lässt, ja mich gar nicht kalt lassen kann. Der Urknall ist bei mir eine Nachtruhestörung, bleibe ich zu Hause, ist an keine ruhige (wirklich ruhige) Minute zu denken. Ginge ich hingegen selber auf die Gasse (LOL), wäre ich also auch ein rüüdiger (Sidenote: Rüdiger Hahn?) und würde müsste mich also regelkonform betrinken (was ich in der Vergangenheit ein paarmal ausprobiert habe, denn anders ist es ja nicht zu ertragen), könnte ich am nächsten Morgen wegen des nächsten Lärms meinen Rausch gar nicht ausschlafen. Kurzum: Die Fasnacht ist für mich in meiner Position Schmerz in meinem 29er-Waist-Allerwertesten. Gerade deswegen wollte ich eigentlich kein Wort darüber verlieren, denn über die Fasnacht online zu publizieren ist Schade um den Datenfluss und die Pixel. Frei nach dem Umweltschutzprogramm – save a byte, don’t even write! Aber nachdem, was ich heute morgen erlebt habe, muss es eben doch sein.
Ich steh also legendär um halb zehn auf (Sie wissen, ich lebe noch bis Ende Februar den Nichtstu-Alptraum) und denke mir, dass ich evtl. den ganzen Dreck hinter mir lassen könnte, wenn ich meine routinemässigen 5 km auf dem Laufband runterreissen ginge. Gesagt getan, unterwegs (eben, ich wohne mittendrin) noch schnell einigen rumstehenden und Kaffi-Träsch-trinkenden Affen ausgewichen, im Bus am Bhf mit einem übermütigen Jugendlichen mit einem Einzahngrill (WTF?!???) fast eine Schlägerei vom Zaun gebrochen, trug mich mein Weg via Red Bull Sugarfree (hey, nach Amerika ist die Linie wieder wichtig!) und Gym-Umkleide aufs Laufband. Begleitet von Marshall Mathers’ unterhaltsamen Lyrics und unter einigem Schmunzeln (mal ehrlich: Tempomässig am Limit laufen und dazu Lyrics über Magic Mushrooms hören IST ein Gegensatz!) riss ich die Distanz runter und begab mich alsdann zurück in die Umkleide. Dort kam ich auf eine glorreiche Idee: Das Gym war leer, es war erstens erst zirka zehn Uhr und zweitens (rüüdig!) war Fasnacht, also dachte ich mir, Emmster, altes Haus, komm schon, why not, ein bisschen Wellnessen tut Dir gut, jetzt hittest Du die Sauna oder das Dampfbad. Ich überwand sämtliche Bedenken (ist immerhin Nacktbereich und so) in Anbetracht der wenigen Leute und begab mich also ins Dampfbad, um mich dort zu langweilen (mal ehrlich: Wellnessen ist die langweiligste Scheisse der Welt, langweiliger als Strandferien, man darf nicht mal lesen!) Im Dampfbad also einwenig über das Verhältnis zwischen Gott, mir und der Welt sinnierend, merkte ich plötzlich, wie mir einwenig übel wurde – kein Wunder, ich hatte gerade 5 km in den Beinen, der Schädel war immer noch und vom Dampfbad sicher nicht weniger tiefrot (eben, Dr. Tomato), der Kreislauf sonst schon angeschlagen, konsumiert hatte ich bis dahin noch kaum Flüssigkeit. Ich stand also auf und bewegte mich auf wackligen Beinen zur Tür, öffnete diese, und – da kam er, der Teufel höchstpersönlich: Ein Mann, nackt (n/h), geschätzte 112 Jahre alt, mehr Haare auf dem Rücken als Chewbacca im Gesicht, freigelegtes Gemächt, das aussah wie eine geschälte Kiwi nach vier Wochen im Death Valley (in other words: klein UND schrumplig!), Zähne wie der IQ bei Schweizer Rappern, also nur teilweise vorhanden, dazu aber eine Glatze und aussen rum eine Ulrich-Schlüer-mässige rote Haarkrempe um den Schädel, als wäre Mr. Burns höchtspersönlich in die Dusche gesteppt. Und dieser Teufel guckt mich an, wie ich aus dem Dampfbad komme, und sagt dann allen Ernstes und ohne auch nur im Ansatz mit der Wimper zu zucken: “Hey, goht’s Dir, gsehsch au no Scheisse us um die Zit!?!”
Es ist diese Fasnacht, ich schwör’s Ihnen.



February 11th, 2010 at 1:37 pm
Soeben fast einen Conf Call mit einem Kunden in den Sand gesetzt, wegen den letzten Zeilen. Legende… Und ja bin einer Meinung mit dir, eine Blaskappelle nach der anderen spielt vor unserem Fenster. Alles Arschlöcher
February 11th, 2010 at 2:33 pm
“da kam er, der Teufel höchstpersönlich: Ein Mann, nackt (n/h), geschätzte 112 Jahre alt, mehr Haare auf dem Rücken als Chewbacca im Gesicht, freigelegtes Gemächt, das aussah wie eine geschälte Kiwi nach vier Wochen im Death Valley (in other words: klein UND schrumplig!)”
ALTER, ich hab mich bepisst vor lachen – wie geil ist das denn?!
Ich geb dir absolut recht, Fasnacht ist für fools!!
February 11th, 2010 at 3:45 pm
Ein bisschen irritierend, dass der Emm so genau ein anderes männliches Gemäch beschreiben konnte, nicht?
“Zähne wie der IQ bei Schweizer Rappern, also nur teilweise vorhanden” – na komm, und jetzt noch ein paar Namen, bitte.
Apropos Emm+Laufband+Marshall Mathers: Eminem läuft 25km auf dem Laufband.
February 11th, 2010 at 6:04 pm
Etwas Gutes hat die Fasnaction; die Spässe, wenn man sich mit Folks überlegt, ob die Person X sich als Cindy aus Marzahn verkleidet hat oder ob sie ein 24/7-Opfer ist und dieses Outfit das ganze Jahr featuret…
February 11th, 2010 at 6:21 pm
hehe ganz grosses kino…
aber was bitte schön ist ein”einzahngrill”? was ähnliches wie die “zwiebackfräse”?
February 11th, 2010 at 6:30 pm
@Saschino: Du kannst dem schlecht ausweichen, wenn ein Typ zwei Meter vor Dir in the raw steht und sein Tuch weit weg vom Körper hält.
Warum willst Du Namen? Sei doch froh, ist wie ein Lückentext, kannst selber einfüllen…
Ich hab doch damals ein Complex-Inti zu Emm gepostet. Er ist die mal gelaufen, soviel ich weiss, tut es aber nicht mehr. Mein Max war 21 km. 25 ist mad weit…
@Ivenhoe: Das hier, aber nur für einen Zahn…
http://www.vinylexchange.com/blog/pix/paulwall_close.jpg
February 11th, 2010 at 9:22 pm
@Emm: Kann ich mir vorstellen, war auch nicht böse/schwul/whatever gemeint. Ich denke nur, ich persönlich würde bloss straight Augenkontakt halten.
Ach komm, aber wenn dein neues Mixtape/Album kommt wäre ein bisschen name-dropping doch super promo (herr curtis jackson würde das jetzt mit seinem typischen grinsen bestätigen) Und doch: die meisten relevanten Rapper in der Schweiz haben bestimmt einen netten IQ..
Wusste ich nicht, habs aber dennoch gelesen. War nämlich wieder mal ein gutes Interview unter vielen. Und ich weiss, dass der Marshall die 25 nicht mehr läuft – und es spielt keine Rolle ob Du nun 5 oder 10 oder was auch immer läufst. Ist mir nur gerade aufgefallen.
PS. “Run” vom guten GFK ist wohl der running-track schlechthin…
February 11th, 2010 at 9:54 pm
You made my day – lach
February 12th, 2010 at 11:01 am
I LOLed.
February 13th, 2010 at 4:36 pm
Einer der besten Einträge ever. Selten so gelacht.
February 15th, 2010 at 12:08 am
Ich oute mich hier als gelegentlicher Leser von renne.ch
Und weil ich mich gerade am outen bin, oute ich mich als Mitglied der “Anonymen Fasnachtsgeschädigten” und möchte dich gerne zum Treffen der AF einladen.